Hessisches Bio-Weiderind

Kleinbetriebs-Kooperation für regionale Wertschöpfung

Hessisches Bio-Weiderind

Seit Jahrzehnten geht die Entwicklung hin zu weniger, dafür aber größeren Betrieben. Internationale Handelsströme, Konkurrenz- und Preisdruck machen es kleinbäuerlichen Betrieben schwer. Ein Weg zu weniger Anfälligkeit gegenüber Preisschwankungen und für viele ein wichtiges zweites Standbein ist die Direktvermarktung. Doch dafür fehlt es oft an Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Durch den anhaltenden Strukturwandel ist die Wertschöpfung lückenhaft geworden. Es fehlt an Metzgern, Verarbeitern und Vermarktern.

Vor diesem Hintergrund entstand in den Hessischen Ökomodell-Regionen die Idee zum Projekt „Hessisches Bio-Weiderind“.

Vermarktungs-Chance Hessisches Bio-Weiderind

Ziel des Projekts ist es, über eine Kooperation von Landwirtschaft, Schlachthöfen und Einzelhandel neue Wertschöpfungsketten aufzubauen – vollkommen regional. Von der ökologischen Rinderaufzucht und artgerechter Tierhaltung über die lokale Schlachtung und Verarbeitung bis hin zur hessischen Ladentheke erfolgen alle Schritte zu 100 Prozent in Hessen.

Im Fokus stehen Tiere von Klein– und Nebenerwerbsbetrieben, da eine Kooperation aus tierhaltenden Betrieben die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels besser erfüllen kann als Einzelne. Das Projekt zielt auf eine beständige Partnerschaft und bietet einen Weg zur langfristigen Absatzsicherung zu fairen Erzeugerpreisen und damit zum Fortbestand extensiv wirtschaftender Kleinbetriebe in unserer Region.

Vorteil für Betriebe

  • langfristig gesicherte Vermarktung
  • faire Erzeugerpreise
  • Planungssicherheit
  • mehr Unabhängigkeit von Marktschwankungen
  • Wertschätzung von Tierwohl- und Umweltleistungen
  • Partnerschaft auf Augenhöhe
  • Stärkung regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen

Extensiv wirtschaftende Kleinbetriebe – Leistung für Umwelt und Tierwohl

In Hessen halten extensiv wirtschaftende Kleinbetriebe das Gros an Weidetieren. Durch die Haltung und Beweidung mit Wiederkäuern tragen diese kleinbäuerlichen Betriebe zum Erhalt uralter Kulturlandschaften bei – quasi Landschaftspflege als gelebter Umwelt- und Klimaschutz. Weidehaltung erhält nämlich Grünlandstandorte und Dauergrünland ist wiederum ein hervorragender CO2-Speicher. Neben der Speicherung von CO2 bietet es weitere Umweltvorteile:

  • Hochwasserschutz
  • Schutz vor Bodenerosion
  • Trinkwasserschutz (Filterfunktion)
  • Lebensraum für zahlreiche Gräser, Blumen, Insekten, Wildbienen und kleine Wirbeltiere
  • Vielfältiges Nutztierspektrum (durch die Haltung verschiedener Rassen)

Auch für die Tiere ergeben sich Vorteile. Neben dem Wegfall langer Lebendtiertransporte stehen bereits die Haltungskriterien für mehr Tierwohl. Die Rinder verbringen viele Wochen im Jahr mit viel Platz auf der Weide. Dort grasen sie ganz natürlich. Denn nicht jedes Rind ist ein Hessisches Bio-Weiderind. Die Kriterien sind genau definiert und nehmen neben der ökologischen wirtschaftsweise speziell den Punkt „Weide“ in den Fokus:

Kriterien für Hessisches Bio-Weiderind

  • Jährliche Weidezeit: mindestens 120 Tage im Durchschnitt der Lebensjahre
  • Weidefläche: 500 m² Mindestflächengröße pro Tier
  • Futter: stammt zu mindestens 60 % vom eigenen Betrieb. Verzicht auf ganzjährige Silage- (Zu-) Fütterung
  • Transportdauer: Lebendtiertransporte dürfen vier Stunden nicht überschreiten.

Diese besonderen Leistungen für Umwelt und Tierwohl gingen aufgrund fehlender Direktvermarktungswege bisher im Wertschöpfungsprozess verloren. Nicht so beim Hessischen Bio-Weiderind! Davon profitieren auch Endkundinnen und -kunden.

Transparenz von der Weide bis zur Ladentheke

Regelmäßige neutrale Kontrollen garantieren die ökologische Weidehaltung der Tiere. Die Rinder stammen von heimischen Höfen, werden natürlich gefüttert, regional geschlachtet und verarbeitet und bei uns in Hessen vermarktet.

Alle Projektbeteiligten aus Vermarktung und Landwirtschaft sind sowohl EU-Bio als auch mit „Bio aus Hessen“ zertifiziert. „Bio aus Hessen“ ist das einzige Siegel, das ökologische Landwirtschaft und Regionalität verbindet. Das Siegel steht für Nachhaltigkeit und Umweltschutz und garantiert eine gesicherte Qualität mit nachvollziehbarer Herkunft – vom Landwirt bis zur Ladentheke. Standardgeber ist die MGH Gutes aus Hessen GmbH.

Beide Zeichen werden im Rahmen der jährlichen Bio-Kontrolle von unabhängigen Kontrollstellen geprüft.

Vorteile für Kundinnen und Kunden

  • Höhere Produktvielfalt
  • Kontrollierte Bio-Qualität aus der Region
  • Besondere Fleischqualität (Das Fleisch von Ochsen und Färsen ist zart, saftig, stark marmoriert und aromatisch, da die Tiere langsam wachsen)
  • Nachvollziehbare Herkunft der Rinder
  • Transparenz & Sicherheit bei Erzeugung und Verarbeitung

Die klare Kennzeichnung hilft dabei, Tierwohl und Umweltschutz bewusst zu unterstützen. Seit Februar 2022 ist Hessisches Bio-Weiderind im Handel. Erhältlich ist es derzeit bei REWE an der Fleischtheke dieser Märkte:

Projektausblick

Weitere Vermarktungswege wie auch die Ausweitung der Tierwohl-Kriterien sind bereits in Planung. So sollen die Anforderungen der Haltungskriterien (Weidezeit/Weidefläche/Futter/Transport) permanent hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden. Ziel muss es immer sein, den Betrieben praktikable Vorschiften an die Hand zu geben und gleichzeitig ein nachhaltiges und fortschrittliches Produkt am Markt zu bieten. Auch die Einbeziehung weiterer extensiver Rassen oder von Bullen ist langfristig Thema. Perspektivisch geplant ist zudem, auch Hofläden, Metzgereien, die Außerhausverpflegung, Bio-Märkte usw. in die regionale Wertschöpfungskette einzubinden.

Kontakt

Constantin Haupt
Telefon: 06003 5759814
E-Mail: chaupt@gutes-aus-hessen.de

MGH Gutes aus Hessen GmbH
Siemensstraße 5
61191 Rosbach vor der Höhe

Für Auskünfte über das Projekt „Hessisches Bio-Weiderind“ und das Siegel „Bio aus Hessen“.

Susanne Pesch
Telefon: 06588 98393-06
E-Mail:pesch@biorind.de

Bio Rind & Fleisch GmbH RLP
Auf der Lai 43
54317 Gusterath

Für Abnahmepreise und die Anmeldung von Tieren.

Projektsteckbrief

Projektträger

„Hessisches Bio-Weiderind“ ist ein Projekt der MGH Gutes aus Hessen in Kooperation mit den Hessischen Ökomodell-Regionen, der Bio Rind & Fleisch GmbH und der Vereinigung Ökologischer Landbau (VÖL), gefördert durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV).