Über den Feldrand hinaus

Interview mit TRIEBWERK: „Über den Feldrand hinaus …“

Öffentlichkeitsarbeit & Bildung

Wir haben Christoph Meixner, Nicolas Haack und Janos Wack von TRIEBWERK getroffen. Die drei beschäftigen sich mit Lösungsansätzen, um die Konflikte zwischen Natur-, Umwelt-, Klimaschutz und landwirtschaftlicher Produktion zu überwinden. Wie das aussehen kann, was sie antreibt und was nachhaltige Landwirtschaft überhaupt bedeutet, das verraten sie uns im Interview.

Was steckt hinter TRIEBWERK, wie ist das entstanden?

Im Grunde sind wir drei Selbstständige. Kennengelernt haben wir uns während des Studiums der Ökologischen Agrarwissenschaften an der Uni Witzenhausen.
Was uns verbindet, ist die gemeinsame Überzeugung. Wir identifizieren uns stark mit den Ideen der „Regenerativen Landwirtschaft“ und wollen diese auch weitergeben. Daher arbeiten wir seit einigen Jahren unter dem Namen „TRIEBWERK“ zusammen.

Was versteht man denn unter „Regenerativer Landwirtschaft“ in drei Worten?

Ganzheitlich, biodiversitätsfördernd & klimapositiv.

Und etwas ausführlicher?

Im Allgemeinen geht es um neue Methoden im Ökolandbau. Also wie man zum Beispiel Ökosystemprozesse intensivieren kann und welche Maßnahmen die genutzten Ressourcen aufwerten, anstatt sie zu degradieren.
Wichtig ist uns noch zu sagen, dass der Begriff der Regenerativen Landwirtschaft bisher nicht einheitlich definiert ist. Das muss sich dringend ändern! Denn es bringt viele Probleme mit sich – er taucht jetzt schon im Bereich des „Greenwashing“ auf. Das kann der gesamten Bewegung schaden.

Und was macht ihr genau?

Wir sehen unsere Rolle darin, die Möglichkeiten der Regenerativen Landwirtschaft bekannt zu machen und den Landwirtinnen und Landwirten durch unsere Bildungs-, Beratungs- und Planungsarbeit zu helfen, neue Wege zu gehen.
Wir bieten z. B. Seminare und Vorträge im Bereich der Regenerativen Landwirtschaft, erklären, was das ist, oder organisieren Fachforen zu Ansätzen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Außerdem gibt es noch die Agroforst-Akademie. Auf der Planung von Agroforstsystemen liegt unser langfristiger Schwerpunkt – und unsere größte Expertise.

Was bedeutet Agroforst?

Agroforstsysteme sind Landnutzungssysteme, die Ackerbau und Tierhaltung kombinieren.
Die Landwirtschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen in Bezug auf den Klimawandel und weiteren Problemfeldern, die von großer gesellschaftlicher Relevanz sind. Die Forschung zeigt, dass Agroforstsysteme zum Beispiel große Kohlenstoffspeicher und Erosionsbremsen sind oder biodiversitätsfördernd wirken können.
Aus der ganzen Welt kommen derzeit sehr spannende Lösungsansätze, um Betriebe auf die Zukunft vorzubereiten. Es gibt beispielsweise hier noch unbekannte mehrjährige Getreidekulturen, verschiedene Möglichkeiten, um Direktsaat im Ökolandbau zu nutzen oder die Tiere in die Fruchtfolge zu integrieren.

Unterstützt ihr Betriebe auch ganz konkret?

Ja. Auf Grundlage einer ganzheitlichen Betriebsberatung bieten wir Planung und Beratung für solche Systeme an: Mit Agroforstsystemen und vielen weiteren Aspekten der Regenerativen Landwirtschaft geht eine Betriebsdiversifizierung einher, die gut organisiert werden muss. Oft können und sollten neben Agroforstsystemen noch mehr Ansätze der regenerativen Landwirtschaft in den Betrieb integriert werden. In diesem Bereich laufen auch Projekte. Die Nachfrage ist groß.

Zu welcher Betriebsstruktur passen Regenerative Landwirtschaft und Agroforst?

Uns ist der betriebsindividuelle Ansatz wichtig. Daher gibt es keine pauschale Antwort. Für fast alle Betriebsformen finden sich aber Ansätze aus der Regenerativen Landwirtschaft. Besonders bekannt sind das ganzheitliche Weidemanagement für die Haltung von Wiederkäuern, der biointensive Gemüsebau ‒ auch „Market Gardening“ genannt ‒, aber auch Lösungen für den Ackerbau, wie von den Kollegen Näser und Wenz, zwei bekannten Gesichtern der ReLaWi-Szene.
Bei hochspezialisierten Betrieben ist es eine etwas größere Herausforderung, da beispielsweise die Betriebsstruktur eines reinen Mastbetriebes in seinen Marktstrukturen nicht zu den Idealen einer Regenerativen Landwirtschaft passt. Man kann nur wenige Synergien erzielen. Allerdings könnte dort die Kooperation mit regionalen Partnern ein erster sinnvoller Schritt sein.

Regenerative Landwirtschaft ‒ wie fange ich das als Betrieb überhaupt an?

Um zu überlegen, wie man seinen Betrieb neu aufstellen kann, sollte man sich zunächst mit einem Thema, für das man sich interessiert, auseinandersetzen. Viele Infos findet man im Internet, vor allem YouTube ist immer wieder ein guter Einstieg. So kann man sehr schnell feststellen, ob Regenerative Landwirtschaft für den eigenen Betrieb geeignet ist ‒ und welche Form.
Dabei kann man mit kleinen Schritten vorgehen und muss nicht gleich seinen Betrieb auf den Kopf stellen. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich zunächst über seine Ziele im Klaren sein muss, sowohl für den Betrieb, sich selbst, seine Familie als auch die Mitarbeitenden.
Um seinen Betrieb weiterzuentwickeln, ist es sinnvoll, sich ganz grundlegend und an Qualitäten orientiert zu beantworten, wohin die Reise gehen soll, und diesen Weg dann Schritt für Schritt zu gehen. Solche Prozesse begleiten wir gerne und können neben unserem Fachwissen einen frischen Blick von außen bieten.

Habt ihr ein Beispiel?

Etwas, das in Deutschland gerade aufkommt, ist beispielsweise die Auslaufgestaltung von Hühnerställen mit Agroforstsystemen. Das hat den großen Vorteil, dass Prädatoren wie Habichte die Hühner nicht mehr jagen können. Nährstoffüberschüsse werden zudem von den Bäumen aufgenommen. Wir haben das Konzept um die Kombination mit Hühnermobilen und Futterkomponenten für die Hühner erweitert.
Agroforstsysteme kann man auch hervorragend auf Acker- und Grünlandflächen anlegen – mit unterschiedlichen Nutzungsweisen. Etwa zur Wert-, Frucht- oder Energieholzgewinnung oder zwecks Futterkomponenten für die Tiere.

Was treibt euch an?

Wir spüren große Motivation für unsere Themen, da diese für die Gesellschaft hochrelevant sind. Unser Tun sehen wir als wichtige Möglichkeit zur Entwicklung zukunftsfähiger Betriebe. Lösungen gibt es längst. Aber es braucht Menschen, die sich herantrauen, sie ausprobieren, anpassen und weiterverbreiten.

Was wünscht ihr euch für die Konzepte Regenerative Landwirtschaft und Agroforst?

Mehr Öffentlichkeit und mehr Forschung zu den unterschiedlichen Methoden! Darin steckt viel Lösungspotenzial für die ganz drängenden Probleme der Landwirtschaft ‒ und auch vieler Sektoren darüber hinaus.
Wünschenswert wäre auch, wenn Pioniere für ihre Arbeit entschädigt werden würden. Eine Art Fonds für Pionierbetriebe wäre ein gutes Signal und könnte den Betrieben das finanzielle Risiko nehmen. Wichtig ist auch eine Förderung von Agroforstsystemen in der deutschen Agrarförderstruktur.

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Kontakt

Ökomodell-Region Waldeck-Frankenberg
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